Frivoler Dichterfürst ?

Johann Wolfgang von Goethe befand sich in vornehmer Gesellschaft. Vom Sohn der Gastgeber wurde er wie folgt angesprochen:

„Hochverehrter Herr Geheimrat, auch wenn Sie Deutschlands Dichterfürst sind, möchte ich Ihnen dennoch die Wette anbieten, dass ich Ihnen zwei Wörter sagen kann, aus denen selbst Sie keinen Reim machen können.“ Goethe antwortete: “ Junger Mann, ich nehme diese Wette gerne an, nennen Sie mir die zwei Wörter.“

„Die zwei Wörter sind HAUSTÜRKLINGEL und MÄDCHENBUSEN,“ war die Antwort. Nachdem Goethe sich einige Minuten zurückgezogen hatte, lieferte er für den Beweis, dass er tatsächlich Deutschlands Dichterfürst sei, das folgende Gedicht:

Die Haustürglocke an der Wand,

der Mädchenbusen in der Hand,
zwei Dinge sind’s die nah verwandt.
Denn wenn man leise sie berührt,
man oben, innen deutlich spürt,
Dass unten, draußen einer steht,
der sehnsuchtsvoll um Einlass fleht.

 

 

Ob nicht vielleicht ein witziger Zeitgenosse dem lieben Goethe dieses Zitat in den Mund legte?

 

In diesem Zusammenhang kann auch jener Zweizeiler erwähnt werden, den Goethe angeblich unter die Verse Schillerns gesetzt haben soll.

 

Bei einem Besuch im Hause seines Freundes habe Goethe den folgenden Gedichtanfang entdeckt:

Er saß an ihres Bettes Rand

und spielte mit den Flechten.

Ohne dass Schiller es merkte, soll er das Gedicht um zwei weitere Verse erweitert haben:

Das tat er mit der linken Hand.
Was tat er mit der rechten?

Angeblich von Goethe ist auch der folgende Spruch, der in dieser oder leicht abgewandelter Form vielfach kursiert (oft allerdings auch Heinrich Heine zugeschrieben wird):

Gerne der Zeiten gedenk' ich, als meine Glieder gelenkig - bis auf eins. Diese Zeit kommt nicht wieder, steif sind nun alle Glieder - bis auf eins.