Poesie für Imker und andere Bienenfreunde

Schimpfe nicht

Wenn hier Dich eine Biene sticht,

so gehe fort und schimpfe nicht.

Bedenke, dass nur Du es bist,

der störend hier im Wege ist.

Hoffmann von Fallersleben

Wieviel ist ein Glas Honig wert

Gespräch mit der Bienenkönigin:

“Erlauben Sie mir, einen Wunsch zu sagen.

Ich möcht ein Gläschen Honig haben.

Was kostet's ? Ich bin zu zahlen bereit.

Für was Gutes ist mir mein Geld nicht leid.”

“Sie wollen was Gutes für ihr Geld ?

Sie kriegen das Beste von der Welt !

Sie kaufen goldnen Sonnenschein,

Sie kaufen pure Gesundheit ein !

 

Was Bessres als Honig hat keiner erfunden.

Der Preis ? Ich verrechne die Arbeitsstunden.

Zwölftausend Stunden waren zu fliegen,

um so viel Honig zusammenzukriegen.

Ja, meine Leute waren fleissig !

Die Stunde ? Ich rechne zwei Mark dreissig.

 

Nun rechnen Sie sich's selber aus !

27.000 Mark und mehr.

Hier ist die Rechung, Ich bitte sehr !”

Josef Guggenmos (1922)

Wenn ich zu meinem stande geh'

Wenn ich zu meinem Stande geh'

Und tausend Bienen um mich seh'

Und hör das altvertraute Summen,

Dann müssen Leid und Gram verstummen.

 

Dann denk ich nicht an Gut und Geld,

Nicht an den Hader in der Welt,

Nicht an den Lärm auf allen Gassen,

Nicht an der Feinde grimmes Hassen,

 

Noch an der Freunde Neid und Spott;

Dann dank ich still nur meinem Gott,

Dass er im Tollhaus dieser Erden

Dies Heim des Friedens mir lies werden.

 

Kehr ich vom Bienenstand zurück,

Ist aufgehellt der trübe Blick.

Denn, was mir grau und schwer erschienen,

Das gab ich meinen lieben Bienen.

 

Die trugens in die Luft hinaus,

Gleich allem Schmutz aus ihrem Haus,

Und was sie mir dafür gegeben,

Ist neue Kraft zu frohem Leben.

Edmund Herold

Bienengedicht

Ein Blumenglöckchen vom Boden hervor

war fröhlich gesprossen im lieblichen Flor.

Da kam ein Bienlein und naschte fein -

- oh, die müssen wohl beide füreinander sein !

Johann Wolfgang von Goethe

Gänseblümchen

Ein Gänseblümchen liebte sehr

ein zweites gegenüber,

drum rief's: "Ich schicke mit 'nem Gruß

dir eine Biene 'rüber !"

 

Da rief das andere: "Du weißt,

ich liebe dich nicht minder,

doch mit der Biene, das lass sein,

sonst kriegen wir noch Kinder !"

Heinz Erhardt

Vor Jahren einst im Alten Land

Vor Jahren einst im Alten Land,

Durch seine Früchte wohlbekannt,

Begann ein arges Streiten:

Da kommen stets die Imker her

In unsrer Bäume Blütenmeer.

Wir wollens nimmer leiden !

 

Sie schleppen uns den Honig fort.

Nun reden wir ein ernsts Wort:

Sie sollen ihn bezahlen !

Von unsern Blüten stammt er ja.

Und dann sind auch die Stiche da

Mit ihren Teufelsqualen !

 

Beschlossen wars zu dieser Stund.

Man machte es den Imkern kund.

Da blieben sie zu Hause.

Sie sagtens - und es blieb dabei.

Sie machten mit der Wanderei

Für Jahre eine Pause.

 

Der Obstbaum stand und trauerte

Und jede Blüte lauerte

Umsonst auf eine Biene.

Und jeden Herbst im Alten Land

Der Bauer vor den Bäumen stand

Mit kummervoller Miene.

 

Denn mit dem Segen wars vorbei,

Nun sah man wie verkehrt es sei,

Den Imker zu vergrämen.

Und wer dereinst mit Spott und Hohn

Vom Imker heischte Geldeslohn,

Begann sich tief zu schämen.

 

Und allesamt begriffen sie,

Es sei des Imkers große Müh

Zu aller Nutz und Frommen.

Drum baten sie nun umgekehrt,

Um Gotteslohn und Geldeswert,

Er möge wiederkommen.

 

Nun sieht man, wie es einstens war,

Zur Blütenzeit in jedem Jahr

Ein großes Bienenwandern.

Und jedem ist im Alten Land

Des Imkers Leistung wohl bekannt

Zum Segen für die andern.

Edmund Herold

Verlust der Ähnlichkeit

Man sagt ein Schnäpschen, insofern

Es kräftig ist, hat jeder gern.

 

Ganz anders denkt das Volk der Bienen,

Der Süffel ist verhaßt bei ihnen,

Sein Wohlgeruch tut ihnen weh.

Sie trinken nichts wie Blütentee,

Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank,

Gleich ziehen sie den Stachel blank.

 

Letzthin hat einem Bienenstöckel

Der brave alte Schneider Böckel,

Der nicht mehr nüchtern in der Tat,

Aus Neubegierde sich genaht.

 

Sofort von einem regen Leben

Sieht Meister Böckel sich umgeben.

Es dringen giftgetränkte Pfeile

in seine nackten Körperteile,

Ja manche selbst durch die nur lose

Und leicht gewirkte Sommerhose,

Besonders, weil sie stramm gespannt.

 

Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt.

Er zieht sich kämpfend wie ein Held

Zurück ins hohe Erbsenfeld.

Hier hat er Zeit, an vielen Stellen

Des Leibes merklich anzuschwellen,

Und als er wiederum erscheint,

erkennt ihn kaum sein bester Freund.

 

Natürlich, denn bei solchem Streit

verliert man seine Ähnlichkeit.

Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Krieg der Bienen und Hornissen

Lasst es alle Bienen wissen:

Heute schwärmen die Hornissen.

Auf die Bienen bei den Schlehen

Haben sie es abgesehen.

Schrumm terumm, Schrumm terumm,

Krieg ist böse, Krieg ist dumm !

 

Die Hornissentrommeln lärmen.

Aber, ach, die Bienen schwärmen.

Werden die Hornissen siegen

Und die Bienen unterliegen ?

Schrumm terumm, Schrumm terumm,

Krieg ist böse, Krieg ist dumm !

 

Brausend durch die Lüfte ziehen

Die Hornissen-Kompanien.

In den gelb und schwarzen Röcken

Geht es zu den Bienenstöcken.

Schrumm terumm, Schrumm terumm,

Krieg ist böse, Krieg ist dumm !

 

Die daheimgebliebnen Bienen

Kämpfen mit verbissnen Mienen.

Aber ihrer sind zuwenig.

"Sieg !" ruft der Hornissenkönig.

Schrumm terumm, Schrumm terumm,

Krieg ist böse, Krieg ist dumm !

 

Ach, nur wenig Honig haben

Die erkämpften Bienenwaben.

Jeder Krieger der Hornissen

Kriegt mit Not drei kleine Bissen.

Schrumm terumm, Schrumm terumm,

Krieg ist böse, Krieg ist dumm !

 

Lasst es alle Menschen wissen:

Wenig nützte den Hornissen

Das Bekriegen, das Besiegen,

Denn zweihundert blieben liegen !

Schrumm terumm, Schrumm terumm,

Krieg ist böse, Krieg ist dumm !

James Krüss (geb. 1926 auf Helgoland, gestorben 1997 auf Gran Canaria)

Kinderlied

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

Ei wir tun dir nichts zu Leide,

Flieg nur aus in Wald und Heide !

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

 

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

Such in Blumen, such in Blümchen !

Dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen.

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

 

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

Kehre heim mit reicher Habe,

Bau uns manche volle Wabe,

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

 

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

Bei den heil'gen Christgeschenken

Wollen wir auch dein gedenken.

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

 

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

Wenn wir mit dem Wachsstock suchen

Pfeffernüss' und Honigkuchen.

Summ, summ, summ,

Bienchen summ herum !

Hoffmann von Fallersleben

Unerfüllbare Wünsche

Du Wildling, sprach der Imkersmann

Fang du nicht mit dem Stechen an.

Die Nachbarsleut´ mit böser Miene

Sehn dich nicht gern, du liebe Biene.

Du hast sie neulich erst gestochen.

Kein freundlich Wort wird mehr gesprochen.

 

Gewiss du konntest nichts dafür,

flieg nicht dorthin mein liebes Tier.

Nicht gar der Nachbarin ins Haar,

wenn sie kein Kopftuch trägt, nicht wahr !

Trink nicht aus Nachbars Vogeltränke,

es bringt nur Ärger, das bedenke !

 

Wenn man dich fortjagt, nach dir schlägt,

flieg ruhig fort, bleib unbewegt.

Die edle Reinzuchtkönigin

Ist deine Mutter, denk nur hin !

Dein Vater ein gekörter Drohn,

des besten Volkes stolzer Sohn.

 

Auf dieser Karte steht geschrieben,

dass du und alle diene Lieben

so fleißig im Ertrag, so milde,

ich hoffe sehr, du bist im Bilde.

So summe, sammle, trage ein,

bestäube alle Blüten fein.

 

Nur steche nicht, die´s nicht vertragen,

bei schwülen Wetter, warmen Tagen.

Benimm´ dich wie ein zahmes Tier,

das rat ich dir, das rat ich dir.

Man duldet nicht, wer sich so wehrt,

wenn man auch den Honig gern verzehrt.

 

Nur theoretisch liebt man Bienen,

doch praktisch sagt man: Weg mit ihnen !

Ach, liebes Bienchen, friedlich sei,

sonst ist es aus mit Imkerei.

 

Musst du zur Sanftmut dich bequemen ?

Will man auf dich nicht Rücksicht nehmen ?

Der Mensch hat Freiheitsrechte nur,

doch du die Rechte der Natur !

Quelle: Hobbyimkerei-Binder

Morgenzeit

Seid mir gegrüßt ihr lieben Bienen,

Vom Morgenstrahl beschienen !

Wie fliegt ihr munter ein und aus

In Imker dralles Bienenhaus

Und seid zu dieser Morgenzeit

So früh schon voller Tätigkeit.

Wilhelm Busch

An die Bienen

Bienen ! Immen ! Sumseriche !

Wer sich je mit euch vergliche,

der verdient, dass man ihn töte !

Dass zumindest er erröte !

Denn, wie ihr in Tal und Berg schafft

ohne Zutun der Gewerkschaft,

ohne dass man euch bezahle,

ohne Streik und Lohnspirale,

täglich, stündlich drauf bedacht,

dass ihr für uns Honig macht,

ihr seid's wert, dass man euch ehre !

Wobei vorzuschlagen wäre -

ob nun alt ihr, ob Novizen -

euch von heute ab zu siezen !

Unser Dank, unser Applaus

säh in etwa dann so aus:

"Sehr geehrte Honigbienen !

Wir Verbraucher danken Ihnen !"

Heinz Erhardt

Vom güldenen Honig lass ich nicht

Stell einen Bienenkorb auf mein Grab,
Auf dass ich mich an Honig lab.
Bin ich erst tot und fern von hier
Dann wünsch ich nur das eine mir.
Die Straßen des Himmels sind voller Licht,
Doch vom güldenen Honig lass ich nicht.
Stell einen Bienenkorb auf mein Grab,
Auf dass ich mich am Honig lab.

Sue Monk Kidd

Wenn bitter sich die Menschen streiten

 mit Grösse wie mit Kleinigkeiten

 da weiche ich am liebsten aus

 und flüchte mich ins Bienenhaus.

 

Hör ich das friedliche Gesumm,

 vergess ich Schelten und Gebrumm,

 und aller Krieg und Krach auf Erden

 kann mir sogleich gestohlen werden.

J. W. von Goethe

Wie freut mich's, daß ich Imker bin

Wenn ich vor meinem Stande steh'

und meine Bienen fliegen seh',

so denk ich oft in meinem Sinn,

wie freut mich's, daß ich Imker bin.

 

Steh' mit der gold'nen Sonn' ich auf,

sind meine Bienen längst wohlauf;

sie fliegen emsig her und hin,

d'rum freut mich's, daß ich Imker bin.

 

Und wenn mein Tagewerk vollbracht,

zur Ruhe winkt die stille Nacht,

leg' ich mich selig träumend hin.

und freu' mich, daß ich Imker bin.

 

Und so vergeht mir froh die Zeit,

die Bienen werden schwarmbereit,

sie freu'n sich ihrer Königin,

und mich freut's, daß ich Imker bin.

 

Und wird das Wetter dumpf und heiß,

fließt von der Tanne süßer Schweiß,

schwing ich die Schleuder froh und sing:

Wie freut mich's, daß ich Imker bin.

Friedrich Silcher (T:1884 Wilhelm Wankler);

Melodie: Steh' ich in finst'rer Mitternacht

Gestochen

Ich hab ´nen Stich, ich hab ´nen Stich!

Ja, ist das denn nicht fürchterlich?

Das Biest stach mich ins Angesicht.

Wieso, warum? Ich weiß es nicht.

Ich bin ein Stiller ruh´ger Mann,

der keinem Tier was tuen kann.

Der Imker sagt: Er sei nicht schuld.

Jetzt platzt mir aber die Geduld.

Du hast ´nen Stich? Du hast ´nen Stich?

Das ist doch gar nicht fürchterlich.

Nun halte doch mal Deinen Mund!

Bei Rheuma ist es sehr gesund.

Auch wenn der Arzt ein Serum spritzt,

Und wenn du schwärmst, sag´ mir´s vorher,

ein kleiner Schmerz der reichlich nützt.

sonst störst du jene allzu sehr,

Ich werd´ Dir etwas Honig schenken,

wenn du dich kühn in das Geäst

wirst nicht mehr an den Ärger denken.

auf deren Bäumen niederläßt.

Ich hab ´nen Stich, ich hab ´nen Stich.

Ich mein, das ist ärgerlich.

Gefallen laß ich es mir nicht,

ich geh sofort auf das Gericht.

Das wollen wir doch einmal sehen,

so kann es doch nicht weitergehen.

Glaubt denn der Imker, ich bin dumm?

Die Bienen bringen mich noch um.

Du hast ´nen Stich? Du hast ´nen Stich?

Dein Wehgeschrei ist lächerlich!

Auch einen Imker sticht die Biene,

ertrag´s wie er mit ruhiger Miene!

Bist Du allergisch, schlecht gelaunt?

Wer Dich so hört, ist sehr erstaunt.

Aus and´rem Grunde man so schreit.

Wahrscheinlich ist´s bei Dir so weit.

Du hast ´nen Stich, doch was Dich sticht,

das weißt Du nicht, das weißt Du nicht.

Iß Honig, Freund, Iß Honig täglich!

Der Bienenstich wird dann erträglich.

Quelle: Tarpan - http://www.schreibwerkstatt.de/ich-hab-nen-stich-t23834.html

Die Biene

Als Amor in den goldnen Zeiten

Verliebt in Schäferlustbarkeiten

Auf bunten Blumenfeldern lief,

Da stach den kleinsten von den Göttern

Ein Bienchen, das in Rosenblättern,

Wo es sonst Honig holte, schlief.

 

Durch diesen Stich ward Amor klüger.

Der unerschöpfliche Betrüger

Sann einer neuen Kriegslist nach:

Er lauscht in Rosen und Violen;

Und kam ein Mädchen sie zu holen,

Flog er als Bien heraus und stach.

Gotthold Ephraim Lessing, 1729 bis 1781

Quelle: Gay, J., and I. Menkhoff. 2012. Das große Buch der Bienen. Fackelträger-Verlag.

Sommerbunter Immentraum

Der Morgensonne erster Schein fällt

noch recht schwach zum Flugloch ein.

Der Strahlen Zweck ist bald erreicht,

das Volk wacht auf, wenn auch nicht gleich.

Melinda jetzt das Volk verlässt,

sie soll was holen, das steht fest.

Ein Blütenfeld lädt ein zu Landen,

es ist durch Frühjahrssaat entstanden.

Es lockt das gelbe Blütenrund den

Rüssel an den Röhrengrund

-so füllt sie sich den Magen.

Ist die Betankung dann vollendet die

Imme sich zum Pollen wendet.

Gehöselt wird durch festes Kneten

die gelbe Fracht dann zu Paketen.

Der Abtransport der Eiweißwaren

erfolgt in Körbchen bei den Waden.

Schwer vollgepackt mit reicher Tracht,

sie sich mit Müh gen Volk aufmacht.

Stockimmen hier erwartungsvoll erheben

fordernd hohen Zoll,

-so füllen sich die Waben.

Erleichtert nun beginnt ihr Tanz,

geschwänzelt wird mit Eleganz.

Den Schwestern tut sie emsig Kunde

vom heiß begehrten Nektarfunde.

Drum leeret sich des Stockes Raum,

denn Alles fliegt jetzt aus zu schaun,

den Sommerbunten Immentraum.

M. Trautmann, Nov. 2013.

(veröffentlich in der Zeitschrift „Bienenpflege“ Februar, 2014)