PHILOSOPHISCHES

Hier sammeln wir Denkanstöße für die Philosophische Meditation. Sie eignen sich zum Beispiel als Anregung für unsere nachdenklichen Gespräche am Lagerfeuer.

Große Denker und Forscher prägen oft nachhaltig unser Weltbild. Der Philosoph Immanuel Kant schuf zum Beispiel eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, und der Physiker Albert Einstein hat unser physikalisches Weltbild verändert.

 

Wir Druchschnittsmenschen werden es ihnen nicht geich tun können. Aber wir können die bahnbrechenden Gedanken großer Denker auf uns wirken lassen. Und wir können eigenständig darüber nachdenken, was sie für unser praktisches Leben bedeuten. Wir sammeln hier Themen aus verschidenen Wissensbereichen, über die zu diskutieren sich lohnen könnte. Die Sammlung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann fortlaufend ergänzt werden, auch durch Beiträge unserer Leser.

 

Jedes Thema haben wir mit einer Frage überschrieben und zur Orientierung mit einer fortlaufender Nummerierung versehen.

 

1. Selbsterkenntnis - eine Bedingung für Sittlichkeit?

Wir sitzen auf einer Gartenschaukel, und wir haben das Gefühl, dass wir auf ihr ganz bequem sitzen. Nicht so an einem anderen Tag. Die Schaukel ist immer noch die Selbe, aber wir empfinden sie plötzlich als unbequem und hart.

Eine schöne Sitzgelegenheit macht uns also einmal gereizt und einmal nicht. Wie ist das möglich? Da die Gartenschaukel sich nicht verändert hat, müssen wir uns verändert haben. Wir saßen zweimal darauf, aber jeweils in anderer Stimmung.

 

Stimmungen sind nicht die Realität

Es kann viele Gründe haben, dass sich unsere Stimmung verändert hat. So könnten wir uns zum Beispiel an dem Tag, als wir die Bank als gemütlich empfanden, mit einem netten Gesprächspartner geplaudert haben. Es war eine angenehme Situation und die Sonne schien. Als wir bei nächster Gelegenheit auf der Bank saßen, waren wir alleine und dachten an irgendwelche beruflichen Konflikte. Wir wollten uns auf der Gartenschaukel entspannen, spürten aber nun die harten Latten im Kreuz.

Stimmungen sind also persönliche Empfindungen, und nicht die Realität. Dass für uns aber beides oft schwer voneinander zu unterscheiden ist, hat zwei Gründe. Zum einen drücken sich Stimmungen oft nur indirekt aus, nämlich im eigenen Urteil über unser Umfeld. Zum anderen können wir unsere Stimmungen nicht mit dem nötigen Abstand wahrnehmen. Sie sind nämlich ein Teil von uns selbst. Deshalb neigen wir dazu, sie mit der Wirklichkeit zu verwechseln.

 

Grundstimmungen haben Macht über uns

Besonders die Grundstimmungen, die uns als Person kennzeichnen, haben große Macht über uns. Sie wirken wie ein eingebauter Filter, der unsere Wahrnehmung von der Welt trübt. Daher können wir die Welt um uns herum, unsere Freunde und Partner, ja sogar vielleicht unsere eigenen Fähigkeiten nicht mehr so sehen, wie sie wirklich sind. Bis zu einem Zustand der Selbsttäuschung ist es dann nicht mehr weit.

Selbsttäuschung ist aber das Gegenteil von Selbsterkenntnis.

 

"Erkenne Dich selbst!"

Das Nachdenken über sich selbst und über sein eigenes Denken und Handeln bewirkt, dass wir nicht nur uns selbst, sondern auch andere Menschen besser verstehen. Damit ist Selbsterkenntnis eine Voraussetzung für ein funktionierendes soziales Zusammenleben.

Für den antiken griechischen Philosophen Sokrates war Selbsterkenntnis sogar die Bedingung für Sittlichkeit. Und der von Heraklit überlieferte Wahlspruch „Erkenne Dich selbst“ schmückte den Eingang des antiken Tempels von Apollon zu Delphi.

Wenn wir über Selbsterkenntis nachdenken, haben wir es also mit einem der ältesten Themen der Philosophiegeschichte zu tun.