Natur- und Kulturraum

DIE GEMARKUNG MAULOFF


Bodenbeschaffenheit in der Gemarkung Mauloff:

Wo Fels zutage tritt, handelt es sich um devonische sandige Ablagerungen über alten Ergussgesteinen, die unter Druck von nachfolgenden Schichten zu Schiefer und Quarz erhärteten. In den Zwölf Morgen finden sich gelegentlich winzige Einschlüsse von Meerestieren devonischer Herkunft. Durch Hebungen und Verwerfungen bildete sich zunächst ab dem Devon ein Faltengebirge, welches seinerseits wieder abgetragen wurde. So entstand auch die Pferdskopfscholle, deren westliche Begrenzung in etwa auf der Linie der Rennstraße liegt und daher mit der westlichen Gemarkungsgrenze des Dorfes Mauloff in etwa identisch ist. Die gesamte Gemarkung ist ein Teil dieser Scholle. Die meisten Verwerfungsbruchstücke aus rotem Granit und Porphyr oder Porphyrgemenge sowie Schiefer und Quarzit finden sich allerdings in der Mitte des Talkessels in großer Tiefe. Vorwiegend im Diluvium wurden die beschriebenen zersplitterten und überlagerten Schichten nochmals bedeckt von Tonsedimenten und Wiesentorf. An den Abhängen und in höheren Lagen finden sich wegen neuerlicher Abtragung unter sehr dünner Krume überwiegend Schiefer und Grauwacken. Faulschiefer ist selten. Eiszeitliche Einflüsse sind kaum vorhanden. Als solche können lediglich tiefe und enge Einschnitte gelten, die strömendes Wasser aus den reichlichen Niederschlägen jener Zeit verursachte. Das ist nur vom Fuß des Kirrbergs an talabwärts bis in die Finsternthaler Gemarkung in abgeschwächter Form zu beobachten.

 

Bodennutzung:

Wenn Ackerbau wegen des überwiegend felsigen Untergrundes nicht möglich war oder wo an die Gemarkung angrenzend aufgegebene Dörfer lagen, wuchs naturgegeben Laubwald: Vorwiegend Buchen, aber auch Eichen, Birken, Vogelbeeren, Wildkirschen und Ahorn. Im Mittelalter wie in der frühen Neuzeit wurden allerdings die Wälder stark ausgeforstet, do dass es mancherorts zu großem Brennholzmangel kam. Von diesem war die Gemeinde Mauloff auch zu jener Zeit nicht betroffen. Möglicherweise hatten die Mauloffer zugleich mit der Aufnahme der letzten Bewohner von Nodingstal auch deren Waldgebiete übernommen. Das legt zumindest die Betrachtung der Karte nahe. Aufzeichnungen darüber gibt es allerdings nicht.

Fichten- und Kiefernwälder kamen in unserer Höhenlage erst in der Neuzeit durch gezielte Anpflanzung zustande (Grubenholz für das Ruhrgebiet). Umweltschützer nannten diese Forstgebiete „Holzäcker“, und charakterisierten damit den rein finanziellen Nutzungszweck, dem sie den Erholungsgedanken gegenüberstellten. Verheerende Winterstürme sorgten 1955, 1990 („Wiebke“) und 2007 („Kyrill“) dafür, dass riesige Windbruchflächen entstanden. Der größte Teil der 1955 und 1990 umgeworfenen Bäume waren Nadelbäume. Ein Umdenken setzte spätestens 1990 ein: In den neu entstandenen Lichtungen wuchsen von nun an teils durch Selbstaussaat bedingt, teils ausgesät oder angepflanzt, wieder Laubbäume, vor allem der Naturlandschaft gemäß Buchen und Eichen. Das Land Hessen förderte diese Entwicklung. Das zahlt sich nun in Zeiten steigender Ölpreise aus: Die Gemeinde Weilrod erhält erhebliche Einnahmen aus dem Verkauf nicht nur von hochwertigem Qualitätsholz (für Furniere u. ä.), sondern auch für Brennholz und sogar Holz minderer Qualität, das zu Holzhackschnitzeln oder Pellets verarbeitet werden kann.

Immer mehr Einwohner der Taunusdörfer erwerben nun Bescheinigungen, mit denen sie den richtigen Umgang mit der Motorsäge nachweisen, um dann selbst mit einem Holzleseschein im Wald ihr Feuerholz zu machen.

Eine zusätzliche Einnahmequelle verschafft die moderne Technik den Gemeinden: Vermehrt „wachsen“ mit ihrer Genehmigung Mobilfunkmasten in den Wäldern.

 

Grasland und Ackerflächen:

Durch Verwitterung entstanden seit der Devon-Zeit an den Hängen Tonböden mit geringem Quarzsand-Anteil. Diese wurden von den Bauern durch natürliche Düngung mit Mist und Jauche als Ackerland verwertbar gemacht. In den Senken sammelte sich der sogenannte „Letsch“, schmierige graue Tonteilchen, wie man sie in den Tongruben des Westerwaldes in ungleich größerer Menge findet. Die Bauern verwendeten ihn zum Abdichten bei Kanalisationsarbeiten in ihren Gehöften. Daraus wird auch die Eigenschaft der reinen Tonböden deutlich: Sie sind nahezu wasserundurchlässig. Wo auch nur eine dünne Schicht in der Erde unaufgebrochen verblieb, versumpfte und versauerte der Boden. Schichten von Roterde und Wiesentorf entstanden darüber. Es gediehen vorwiegend Binsen, Wollgras und Wiesenknöterich. Damit waren diese Böden nicht mehr für den Ackerbau nutzbar. Teilweise lagerten sich hochmoorähnliche Ansammlungen von Pflanzenresten darüber ab, die bis zu 70 cm dick sind. Die Bauern nutzten auch diese mageren Böden, nämlich als „Wiesen“. Ihnen wurde durch Entwässerung und gelegentliche Düngung mit Jauche noch ein Ertrag abgerungen. Heu- und Grummeternte auf solchen Böden waren nur möglich, wenn die Bauern die Dränage-Gräben in Ordnung hielten, was wohl in Friedenszeiten immer geschah. Im 2. Weltkrieg war das nicht mehr möglich, weil die meisten jüngeren Männer im Krieg waren und die verbleibenden älteren Männer und Frauen vollständig damit beschäftigt waren, deren Stelle in der Alltagsarbeit in Stall und Feld zu vertreten. Nach Kriegsende wurden diese Mängel bis in die 50er Jahre größtenteils wieder abgestellt. Große Eisflächen, wie sie sich in der Nachkriegszeit zur Freude der Kinder auf versumpften Flächen bei eisiger Kälte im Februar und März gebildet hatten, wurden immer seltener.

Bis dahin war bei der Bearbeitung der Wiesen vor allem Handarbeit üblich: Das Dränieren nach dem Auftauen des Bodens mit der Wiesenhacke (=Männerarbeit), auch das „Putzen“ der Wiesen mit dem Rechen, wobei abgefrorene Pflanzenreste abgerecht, Maulwurfshügel eingeebnet und Steine aufgesammelt wurden, nach der Schneeschmelze (=Frauen- und Kinderarbeit). Ebenso wurden das Mähen, das Heuwenden, das Zusammenrechen auf lange Reihen, das Aufladen und das Abfahren des Heus in Handarbeit erledigt. Jeder noch so kleine liegen gebliebene Rest Heu wurde durch das Nachrechen aufgesammelt, was den Boden ausmagerte sowie ein Verfilzen der Grasnarbe verhinderte und damit Blühpflanzen das Überleben sicherte, die heute fast ausgestorben sind, wie Wiesenschlüsselblume, Knabenkraut, Kuckuckslichtnelke, echtes Labkraut und Herbstzeitlose. Wodurch die vierblättrige Einbeere in der bewaldeten Bachaue völlig ausstarb, ist nicht bekannt.

Ackerbau wurde seit dem Mittelalter teilweise auf künstlich geschaffenen Ackerterrassen nach dem System der Dreifelderwirtschaft betrieben.

Klimaforscher wollen festgestellt haben, dass cirka alle 300 – 500

Jahre Warm- und Kaltphasen einander abwechseln. Die Beobachtungen alter Bauern besagen, dass etwa alle 10 – 11 Jahre ein sehr warmer Winter einen extrem heißen Sommer nach sich zieht. Angeblich wechseln längere Warm- und Kaltphasen jeweils nach etwa 50 Jahren.

Sicher ist, dass Mitteleuropa in einer gemäßigten Zone liegt, in der kalte Winter und warme Sommer vorherrschen und Niederschläge vermehrt im Frühling und Herbst fallen. Danach richten die Bauern ihre Pflanz- und Erntezeiten.

Die Sichtweise der günstigsten Form der Bodenbearbeitung hat sich im Verlauf der Jahrhunderte des Öfteren geändert. Der Streit darüber, was „Kultur“ und was „Natur“ ist, was Nutzpflanze und was Unkraut, nimmt auch heute noch manchmal bizarre Züge an. Hier sollen jeweils die Veränderungen in der Vegetation beschrieben werden, die sich in den letzten 50 Jahren in den verschiedenen Landschaftstypen innerhalb der Gemarkung Mauloff ergeben haben. Der Wandel in der Vegetation dürfte vor allem agrartechnisch bedingt sein. Wenn hier so ausführlich darauf eingegangen wird, so vor allem, weil die Pflanzen, die diesen Wandel überlebten, gentechnisch bedeutsam sein könnten (Artenvielfalt). Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Im Wald haben sie die wenigsten Veränderungen ergeben.

Es finden sich noch immer Moose und Flechten, Feuerschwamm, Knollenblätterpilz, Fliegenpilz, Stinkmorchel, und Parasol, Selten geworden sind Birkenpilz, Steinpilz, Maronenröhrling, Satanspilz. Verschwunden sind Ziegenbart, Blauer Trompeter, Pfifferling. Allerdings breitet sich vorwiegend auf Steinen überall in der Gemarkung auch eine Flechtenart aus, die vor 20 Jahren noch nicht vorhanden war und in ihrer Folge auf den gleichen Stellen ein sehr aggressives Moos, das sogar Beton zerfrisst. Naturschützer vermuten als Ursache den sauren Regen.

Wo Fichten gepflanzt wurden, verschwand mit den Jahren die gesamte Krautschicht. Nur auf Lichtungen bildeten sich dichte Polster von niedrigem Waldgras. Vom Spätsommer an zeigen sich Pilze. Im Laubwald dagegen erwartet uns im Frühling reich blühender Unterwuchs mit Buschwindröschen, Immergrün, Waldmeister und Maiglöckchen; im Sommer beherrschen Flattergras und Springkraut den Waldboden. Dann fällt vereinzelt der nur in unserer Region vorkommende Salbeigamander auf, der erst im Winter abfriert, dann aber vom Wild verspeist wird.

 

Lichtungen, Waldränder und Hecken weisen ungefähr die gleiche Vegetation auf. Sie ist noch wenig beeinflusst vom Nutzdenken der Land- und Forstwirtschaft.

Krautschicht: Johanniskraut, Schafgarbe, Leinkraut, Springkraut, Gamander, weiße Taubnessel, Ruprechtskraut, Klebkraut, Zypressenwolfsmilch, Großes Weidenröschen, Fingerhut, Himbeere und Brombeere, Zittergras, echte Goldrute ;

Büsche: Haselstrauch, Hundsrose, Ginster, Schwarzer Holunder, Weide, Weißdorn, Schwarzdorn, Attich, sehr selten Stechpalme.

Bäume: Vogelbeere, Weide, Espe, Birke, Berg- und (eingewandert?) Spitzahorn, Wildapfel und Wildbirne, Wildkirsche, vereinzelt Lärchengruppen.

Wo an Bächen Pflanzen Zeit gegeben wird, sich auszusamen, wachsen in der Krautschicht: Beinwell, Brunnenkresse, Pestwurz, Sauerklee, Scharbockskraut, Gundermann, Sumpfdotterblume, Wiesenschaumkraut, Rote Lichtnelke, Sternmiere, Knoblauchsrauke, Nelkenwurz, Sumpfschachtelhalm, Brennessel, Hahnenfuß, Klebkraut, Mädesüß und der hier heimische Bärenklau. Eingeschleppt wurde das Indische Springkraut, das sich vom Dorf aus bachabwärts rapide ausbreitet. Leider mähen die Bauern seit kurzem auch die Bachränder bis an den Gewässerrand. Das wird vermutlich noch zu größerer Verarmung der Wiesenflur beitragen, als sie bisher geschehen ist. Das Mädesüß beginnt dort bereits zu verschwinden.

Bäume: Weide, Schwarzerle, Zitterpappel, Vogelbeere.

Auf wenigen ursprünglichen Wiesen finden sich noch

an Trockenstandorten:

Primel, Hundsveilchen, Ehrenpreis, Leinkraut, Stein- und Hornklee, Habichtskraut, Johanniskraut, Pippau, Quendel, Schafgarbe, Wiesenbocksbart, Witwenblume, Wiesenflockenblume,Herbstzeitlose.

An schattigen und feuchten Stellen gibt es noch:

Champignons; Löwenzahn, Hahnenfuß, Giersch, Vogelmiere, Wiesenknöterich, Kriechenden Günsel, Malve, Heckenbraunelle, Margerite, Hundspetersilie, heimischen Bärenklau,Kuckuckslichtnelke, Ährige Teufelskralle, Wilde Möhre, nickendes Leimkraut, Große und Kleine (selten) Pimpernelle, sehr selten Knabenkraut, Pferdeampfer, Kratzdistel, Weißes und Echtes (=Gelbes) Labkraut, Sauerampfer, Wiesenglockenblume, Rotklee, Zypressen-Wolfsmilch, Herbstzeitlose. Man findet als Gräser:

Fuchsschwanz, Lieschgras, Knäulgras, Weiches und Wolliges Honiggras, vereinzelt Seggen.

Auf ungeteerten Feld- und Wiesenwegen und an Wegrändern

wachsen vermehrt: Huflattich, Spitz- und Breitwegerich, Löwenzahn, Kriechender Hahnenfuß, Weißklee, echte Kamille, blütenblattlose Kamille.

Vernichtet wurde die Mauloffer Heide.

Hier wuchsen zwischen dem ehemaligen Familienferiendorf bis hin zur „Brück“, nach dem Pfaffenkopf zu begrenzt durch die Rennstraße, ausgedehnte Heidelbeersträucher im Wechsel mit Erikabüschen, gelegentlich unterbrochen durch Ginster- und Wacholdergruppen, vereinzelte Hundsrosen, Espen, Weiden, Birken und Kiefern. Die Heide senkte sich nach NW hin in ein Birkenwäldchen ab, das nahe dem heutigen Aussiedlerhof an der Landstraße endete. Heute findet man in der Krautschicht nur noch gelegentlich die damals typischen Pflanzen, dazu an lichteren Stellen Salbeigamander. Der angepflanzte Fichtenbestand unterdrückt noch immer den früheren Bewuchs. Wo Windbruch stattgefunden hat, siedeln sich für die Gegend typische Heckenpflanzen an.

Auch viele der früher üblichen Ackerunkräuter wurden zunächst durch chemische Spritzmittel und künstliche Düngung unterdrückt und starben dann größtenteils aus. Gar nicht mehr zu sehen sind Kornblume, Rade und Schachtelhalm; selten geworden sind Mohn, Hirtentäschel, Sennesblätter, stinkende Melde, weiße und rosa Winden, roter Ackergauchheil, Feldstiefmütterchen, Vogelwicke und Kratzdistel, dazu viele der bereits bei Trockenwiesen genannten Pflanzen.

Auch die Bepflanzung der Gärten hat sich weitgehend verändert:

Es gibt eigentlich nicht mehr die typischen Bauerngärten mit dem Wegekreuz in der Mitte und Blumenrabatten als äußere Umrandung.

Nur vereinzelt gibt es noch mit früher in Mauloff heimischem Erbgut gezogene typische Bauernblumen: Schneeglöckchen, Primeln, Aurikeln, Goldlack, blau-weißen Eisenhut, dunkelrote Pfingstrose, blaßlila Schwertlilie. Die früher von den Bauersfrauen untereinander weitergegebenen Samen, Knollen und Zwiebeln von Astern, Stockrosen, Dahlien und Gladiolen werden wohl kein ursprüngliches Erbgut mehr aufweisen.

Mehr oder weniger neu eingebürgert wurden als sogenannte Neophyten: Franzosenkraut, Asiatischer Bärenklau, Indisches Springkraut. Letzteres breitet sich vom Dorf aus immer weiter entlang der offenen Abzugsgräben in Richtung Talaue aus. Es hat inzwischen auch den Kirrbergsbach erreicht. Als neueste Neophyte ist der mit Vogelfuttersamen eingeschleppte Ambrosiabeifuß zu nennen, der Allergikern große Atem- und Hautprobleme bereitet.

 

Verkehrswege:

Nahe Mauloff kreuzen sich der alte keltische Höhenweg, der im Mittelalter zur „Rennstraße“ wurde (Verbindung Frankfurt – Limburg/Lahn und weiter ins Dillgebiet), und die alte Heerstraße, im Volksmund heute „Alte Straße“ genannt, die von der Wetterau kommend über das Usinger Becken und weiter nach Idstein führt. Ob beider Definition als „Römerstraßen“ den geschichtlichen Gegebenheiten entspricht, ist nicht erwiesen.

Möglicherweise war auch die Alte Straße bei den Heubertswiesen in früheren Jahrhunderten ein kurzes Stück weit ein kleiner absperrbarer Staudamm. Der Taunus war jedenfalls im Mittelalter kein rein landwirtschaftliches Gebiet.

Eugen Ernst vermutet, dass Mauloff eine römische Raststation an der Rennstraße gewesen sei. Für wahrscheinlicher halte ich, dass der nicht mehr vorhandene „Saalhof“ an der „Alten Straße“ eine solche aus der fränkischen Zeit war.

Das Wort „sal“ bedeutete im Mittelhochdeutschen „Weide“ (Vgl. den heutigen Namen „Salweide“), aber es konnte mit „sal“ oder „sel“ auch „Pass“, „Übergang“ gemeint sein. Letzteres trifft für die Lage des ausgegangenen Saalhofes zu. Er lag nahe dem „Marktplatz“, dem höchsten Punkt der B 275 und sicherte vielleicht den Übergang in die Emsregion.

Die „Alte Straße“ kommt in der Mauloffer Gemarkung vom Usinger Becken über Finsternthal, zweigt bei den Heubertswiesen in Richtung Aussiedlerhof ab, führt an diesem vorbei und nahm früher von dort aus vermutlich Kurs durch den Wald an der Säukaut direkt auf den höchsten Punkt der heutigen  B 275 im Taunus.

Diese Kreuzung selbst heißt heute noch „Marktplatz“, obwohl seit Menschengedenken niemand jemals dort einen Markt erlebt hat.Die damals zentrale Lage dieses Platzes wird dem Betrachter alter Flurkarten deutlicher, wenn er sich von der Vorstellung frei macht, dass in früheren Zeiten nur asphaltierte Wege bedeutend gewesen seien. Manches in weiträumigen Strecken noch fehlende Verbindungsstück der genannten alten Verkehrswege ist auf alten Karten als Wald- oder Feldweg eingetragen, heute vielfach gar nicht mehr genutzt und darum zugewachsen oder wurde während Rodungs- oder Konsolidierungsmaßnahmen umgewidmet. Es ist anzunehmen, dass auch die B 275 in ihren heutigen Windungen nicht dem Verlauf der alten Querverbindung von Ost nach West entspricht, sondern eher eine Aneinanderreihung von früh asphaltierten Direktverbindungen zwischen größeren Ansiedlungen darstellt, stellenweise aber sehr wohl auf der Route der alten Heerstraße verläuft. Als Grund für diese neuen Verbindungen könnte vielleicht der Betrieb des „Milchautos“ zur nächsten Molkerei gelten. Dieses war auch vor Inbetriebnahme der Buslinien lange Zeit für die Landbevölkerung das einzige direkte Personenbeförderungsmittel über alle Dörfer und zur Bahnstation in Usingen. Als mittelalterliche Verbindungswege, die noch bis in die Nachkriegszeit Bestand hatten, sind auch Fußpfade anzusehen, die die Nachbardörfer auf meist direktem Weg durch Wiesen und Wälder hindurch verbanden. (Nach Schmitten, Seelenberg, Reichenbach, Riedelbach und Finsternthal.)

Im Zuge der zunehmenden Industrialisierung entstanden Bahnlinien, die jedoch nicht bis in den hohen Hintertaunus reichen. Zunächst lagen die Bahnhöfe in Camberg und Usingen (Letzterer ab 1895) am nächsten, heute wird als kürzeste Bahnanbindung die S-Bahn-Haltestelle der Königsteiner Eisenbahngesellschaft in Neu-Anspach genutzt.

Nach der durchgehenden Asphaltierung der Hauptverkehrslinien wurden öffentliche (Post-)Busse eingesetzt, die jeweils dreimal am Tag von Frankfurt nach Weilburg sowie von Bad Nauheim nach Wiesbaden führten. Haltestellen für Mauloff waren am Landstein und zunächst am Marktplatz, später oberhalb von Riedelbach.

1973 sammelte erstmals in Hessen ein Kindergartenbus Kinder einzelner Ortsteile ein und transportierte sie nach Riedelbach bzw. Altweilnau, Hasselbach und Rod.

Seit ???? bilden Schulbusslinien ein dichtes Netz, das auch die einzelnen Dörfer untereinander verbindet, allerdings im Vergleich zum Auto sehr zeitraubend ist.

In neuerer Zeit hat sich in Bestand und Verlauf der Waldwege Vieles verändert: Durch den Einsatz moderner Maschinen beim Holzrücken (schwere Abfuhrfahrzeuge) und Ernten (=Harvester) wurde die Anlage eines Waldwegenetzes notwendig, das auch schwersten Belastungen standhält und viel Geld verschlingt. Da Mauloff neben Hasselbach zu den waldreichsten Ortsteilen der Großgemeinde Weilrod zählt, haben sich hier im Wald viele Veränderungen ergeben.. Mountainbiker und Jogger wie auch Langläufer bedienen sich gerne solcher Erleichterungen.

 

Frühe Industrie:

Die Rennstraße diente dem Transport von Holzkohle aus den Taunuswäldern nach Norden zwecks Eisenverhüttung in sogenannten „Rinnöfen“. Daher ist wohl ihr Name entstanden. Auf dem Rückweg nach Süden brachten die Fuhrleute Eisenerz mit in den Taunus, das dann hier wiederum geschmolzen wurde. Grundmauern von alten Rinnöfen wurden auch in Mauloff gefunden, und zwar in der „Harres“. In der „Bettziech“ kamen beim tiefen Ackern mit den modernen Pflügen Eisenerz-Schlacke-Brocken zutage. An vielen Stellen im Wald kann man noch Reste alter Kohlenmeiler entdecken.

Aufgeschüttete Dämme, über welche Wege quer durch ein Nebental führen, datieren in der Regel auch aus dieser vorindustriellen Zeit: Hier wurde Wasser angestaut, um Eisenhämmer und Schmieden im Weiltal betreiben zu können. Dazu könnte auch der inzwischen aufgeschüttete dreieckige Platz westlich des Tannenhofs gedient haben, der bis in die 1990er Jahre eine sumpfige Vertiefung darstellte.

Seuchen und Kriege sowie vermutlich Klimaschwankungen ließen die Bevölkerungszahl oft rasch abnehmen. Während des späten Mittelalters sank die Bedeutung des Dorfes vielleicht auch wegen des vorangegangenen Raubbaus am Wald: Die Schweine wurden zur Eichelmast und die Rinder auf

die Waldweide in den Zwölfmorgen getrieben („Säutrieb“= Heideweg und „Keugass“ = Seelenberger Weg), der Wald dadurch immer mehr zurückgedrängt und der verbliebene Rest durch Holzeinschlag ausgelichtet. Holzkohlegewinnung lohnte nicht mehr. Erst nach dem 30jährigen Krieg setzte ein Dekret des Fürsten Walrad von Nassau-Usingen diesen Gewohnheiten ein Ende. Es wurde gezielt Wiederaufforstung betrieben.

Lebens- und Erwerbsgrundlagen der Bevölkerung:

Noch während des Hohen Mittelalters war der Taunus ein wichtiges Wirtschaftsgebiet für Holzkohleherstellung, Eisenverhüttung und –verarbeitung. Nachdem die Wälder immer lichter wurden, lohnte dieser Industriezweig bald nicht mehr. Flachsanbau und Leineweberei wurden zum Nebenerwerb. Als auch das nicht mehr rentierte (Erfindung der automatisierten Webstühle, Importe von Baumwolle), versuchte die nassauische Herrschaft den Anbau von Kartoffeln anzuregen, was wohl sehr mühsam war. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts lebten die Menschen in Mauloff hauptsächlich von Land- und Forstwirtschaft. Mit der verstärkten Industrialisierung und der Erschließung der Verkehrswege änderte sich das. Zeitlich versetzt gegenüber dem städtischen Raum suchten nicht nur Zugezogene, sondern auch immer mehr Alteingesessene ihr Auskommen in Büros, Werkstätten und Fabriken der Umgebung. Wer kein eigenes Auto besaß oder einer Fahrgemeinschaft angehörte, suchte eine Fahrbeteiligung oder benutzte den Omnibus. Zeitweise waren Arbeitskräfte in der Industrie so knapp, dass die Arbeit Suchenden mit kleinen Werksbussen abgeholt und zurückgebracht wurden. Heute, in Zeiten immer teurerer Benzin- und Energiepreise, kommen manche Arbeitnehmer wieder auf Fahrgemeinschaften und öffentliche Verkehrsmittel zurück. Das ist deshalb notwendig, weil Mauloff nach der Schließung der Familienferienstätte im Jahre 2002 keinen größeren Betrieb mehr beherbergt, der am Ort Mauloffer Einwohner beschäftigt. Die Gemeinde Weilrod hat gegenwärtig ...Gewerbebetriebe in Mauloff registriert.