Freilandlabor "Kirrberg"

Andy Licious/flickr

1995 übernahmen die Eheleute Dieter und Adelheid Natus vom örtlichen Jagdpächter 29.428 qm landwirtschaftliche Nutzfläche in der Gemarkung Mauloff mit der Flurbezeichnung „Kirrberg“. Ein großes Freilandlabor sollte entstehen.

Der Kaufvertrag wurde aber nicht wirksam, da die Hessische Landgesellschaft im Auftrag einer örtlichen Landwirtin ihr Vorkaufsrecht wahrnahm. Nach erfolgtem Widerspruch und anschließender außergerichtlicher Einigung wurde das Flurstück jedoch geteilt, und noch im selben Jahr konnten 5.283 qm erworben werden, davon waren 2.840 qm Grünland und 2443 qm Gehölz, welches der Förster entsprechend dem tatsächlichen Baumbestand als Wald einstufte.

Gut zehn Jahre lang haben dann die Eheleute daran gearbeitet, dieses mehr schlecht als recht genutzte "landwirtschaftliche Gelände" in einen naturnahen Landschaftsgarten umzuformen. Dabei wurde der „Kirrberg“ mehr und mehr zu einem Übungsfeld, um eine neue Geisteshaltung zu trainieren, die der Achtsamkeit. Nach dem Tod von Adelheid Natus soll unser privater Landschaftsgarten für andere interessierte Naturfreunde geöffnet werden und als als Freilandlabor dienen. Hier können sich naturbegeisterte Menschen jeden Alters in privatem Rahmen treffen, um achtsames Verhalten in der Natur zu üben, ökologische Zusammenhänge zu erkennen und Naturschutzstrategien diskutieren und erproben.

Das Gelände am Kirrberg ist ein kleiner Landschaftsteil im Hintertaunus. Es ist für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von geringem Wert, hat für das Kirrbergbach Tal jedoch große ökologische Bedeutung. Naturpflegearbeiten im Freilandlabor "Kirrberg" erhöhen dessen „Trittstein“- Funktion beim Vernetzen anderer ökologischer „Inseln“ in dieser Landschaft.

Besonderheit des Geländes

Das altdeutsche Wort „Kirr“ im Flurnamen bezeichnet loses Schiefergestein und verweist auf die Besonderheit des Geländes. Durch Geröll und starke Neigung am Hang gekennzeichnet und am oberen Ende eines kleinen Seitentals gelegen ist es an einen in losen Abschnitten gegliederten Bestand von Hecken-, Feld- und Ufergehölzen angebunden, der das ganze Tal vom Quellbereich des Kirrbachs bis zu dessen Mündung in die Weil durchzieht. Außerdem tangiert das Grundstück offene Feld- und Wiesenflächen sowie naturnahe Bachabschnitte

Durch seinen schraubenförmigen Anstieg in die höchste Lage des Tales dreht es aus dem sonst vorherrschenden NO-SW Luftzug heraus und bietet dadurch verschiedene Kleinklimate neben verschiedenen Bodenbeschaffenheiten und Höhenlagen.

Verschiedenartige Lebensräume

Auf kleinster Fläche bietet das Gelände ganz verschiedenartige Lebensräume an, nämlich

  • verschiedene Feuchtgebiete,
  • eine kleine Streuobstwiese,
  • einen Trocken- und Magerstandort,
  • langgestreckte Natursteinbiotope,
  • ein umfangreiches und vielfach gegliedertes Gehölz
  • und ein interessantes Fließgewässer.

Das Gelände ist aufgrund seiner Lage und Beschaffenheit dazu geeignet, eine Brückenfunktion zu anderen wertvollen Landschaftsteilen in dieser Region zu übernehmen. Es kann deshalb Pflanzen und Tieren in sonst isolierten Lebensgemeinschaften einen Austausch ermöglichen.

Hierin liegt seine große ökologische Bedeutung.