Im Ernterausch

Pralle Körbe – Erntesegen!

Dafür lohnt es sich zu regen,

klettern, strecken, eifrig bücken,

Körbe hin und her zu rücken,

waschen, vierteln, Spelzen schneiden,

sorgsam jeden Schmutz zu meiden.

Bild: Birgit Gasch

Und es werden Töpfe, Siebe,

eingesetzt dem Mus zuliebe,

ebenso wie altbekannte

Technik, die schon Oma kannte.

Die Küche schwimmt, der Kessel dampft,

das Mus wird in den Topf gestampft.

 

Rühren, zuckern, richtig würzen,

Kochzeit nicht zu sehr verkürzen!

Sind die Gläser doch nicht dicht?

Na klar, die Ringe passen nicht.

Hier fehlt eine Abstellfläche,

der Boden klebt, der Tisch zeigt Schwäche.

 

Die Hüterin von Haus und Herd,

so sehr der Mann sich auch beschwert,

hat keine Zeit für Liebeslust,

die Stimmung sinkt und es herrscht Frust,

fast so wie einst im Paradies

als Adam sich verführen lies.

 

Doch selbstgemachter Apfelbrei,

rein biologisch, schadstofffrei,

lagert nun in großen Mengen

in Küche, Keller und den Gängen.

Was ist Leben? Was ist Zeit?

Viel Apfelmus steht jetzt bereit!

 

Wird Hungerleidern in der Welt

die Götternahrung zugestellt?

Nehmen Nachbarn und Verwandte,

Freunde und auch Unbekannte,

vom Erntesegen ihren Teil?

Fortwerfen trübt das Seelenheil!

 

Ganz anders dann im nächsten Jahr,

dann wird uns früh genug gewahr,

ob großer Aufwand den Ertrag

ausgleichend bilanzieren mag.

Denn wiederholter Ernterausch

drängt den Mann zum Frauentausch.

Dieter Natus

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