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Projekt: Mittelalter-Garten

Wir wollen einen mittelalterlichen Garten gestalten und suchen Geschichts-, Natur- und Gartenfreunde, die sich daran beteiligen möchten. Wir sind dankbar für alle fachlichen Hinweise. Bitte sprechen Sie uns über das Kontaktfomular an.


Über interessierte Naturfreunde, die unserem Landschaftsgarten einen Besuch abstatten oder sogar bei dem Mittelalter-Projekt mitarbeiten wollen, freuen wir uns natürlich noch mehr.                         

Vielleicht sind die folgenden Vorüberlegungen hilfreich, um ins Gespräch zu kommen.

Ein schlichtes Stück Nutzland

Über den frühen mittelalterlichen Garten in Europa ist wenig bekannt. Man kann aber annehmen, dass er lediglich ein schlichtes Stück Nutzland war. Ähnlich wie bei den Vorfahren, den Germanen, zog sich das Gartenland an einer Hauswand entlang, gegen Wildfraß umschlossen von einem geflochtene Zaun oder von einer Hecke aus Schlehe und Weißdorn.

Was man zum Leben brauchte

In diesem schmucklosen Bauerngarten wuchs lediglich das, was man für das Leben brauchte. Angebaut wurden Erbse, Linse, Bohne, Möhre, Rübe, Flachs und Waid, so wie zu Heilzwecken die narkotisch wirkenden Pflanzen Hanf und Mohn.                          

Und auch der Holunderstrauch, dessen Beeren, Rinde, Wurzeln und Blüten gegen verschiedene Leiden eingesetzt wurden, durfte nicht fehlen. Alte germanische Hauslandpflanzen, die als Gemüse genossen wurden, waren der Wegerich, verschiedene Ampferarten, der Gute Heinrich und die Wegwarte. Der einzige von den Germanen in Kultur genommene Obstbaum war der Apfelbaum, und zwar der Holzapfel.

Bereicherung des germanischen "Würzgartens"

Den Römern ist zu danken, dass mehr Vielfalt in die Gärten kam. Die Einwanderer aus dem Süden bereicherten den germanischen Würzgarten mit Würz- und Heilkräutern wie Raute, Anis, Dill, Kerbel, Senf und Koriander. Auch einige Nutzpflanzen wie Kürbis, Gurken, Spargel, Sellerie, Knoblauch und Rüben gediehen in den römischen Gärten. Ausgrabungen an der Saalburg bei Bad Homburg bezeugen, dass am Fuß des Taunusgebirges schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten Pflaumen, Zwetschgen, Kirschpflaumen, Süß- und Sauerkirschen, Pfirsiche und Aprikosen, Walnüsse und verschiedene Sorten von Haselnüssen gezogen wurden. Auch Blumenbeete mit Rosen, Lilien und Goldlack wurden von den Römern angelegt. Während der Völkerwanderung und in den nächstfolgenden Jahrhunderten gingen allerdings manche der früheren Errungenschaften im Gartenbau verloren.

Karl der Große setzte Maßstäbe

Erst durch Karl den Großen bekommen wir einen genaueren Blick auf den Garten im frühen Mittelalter.                                                                          Der Kaiser regelte die Bewirtschaftung der Krongüter in einer Landgüterverordnung, den "Capitulare de villes" (um 800 n.Chr.).


Er ordnete an, dass in den Gärten der kaiserlichen Güter 73 Nutzpflanzen (Gemüse, Küchenkräuter, Gewürz- und Heilpflanzen) sowie 14 Baumarten angebaut bzw. gepflanzt werden sollten.

Auch die Rebe durfte nicht fehlen. Und auf dem Dach der Pfalzen musste die Hauswurz ("Donnerbart", "Donnerwurz") wachsen, weil sie angeblich das Haus gegen Blitzschlag schützten könne.

Erstes botanisches Dokument aus altdeutscher Zeit

Die Anregung der kaiserlichen Landgüterverordnung zog im Laufe der Jahrhunderte immer weitere Kreise. Vor allem die Benediktiner und Zisterzienser wurden zu Protagonisten einer neuen Gartenkultur in Europa.

Das erste botanische Dokument des frühen Mittelalters ist die Gartendichtung »Liber de cultura hortorum (»Von der Pflege der Gärten«), die etwa um etwa 830 n.Chr. vom Abt des Klosters Reichenau, WALAHFRIED VON STRABO, verfasst wurde. Es führt 23 Arznei- und Nutzpflanzen auf, viele davon kamen aus dem Mittelmeergebiet. Manche wurden wegen ihres starken Geruches,  andere zu medizinischen Zwecken angebaut. Die Blätter und Wurzeln von Rosen, Lilien, lris und Salbei zum Beispiel wurden zur Zubereitung heilender Salben oder Getränke genutzt. Von den dekorativen Blattgewächsen fand im  Mittelalter nur der niedrige Buchs größere Verbreitung. Wie damals wird er auch heute noch in Bauerngärten als Zierstrauch und zur Einfassung von Gartenbeeten gpflanzt.

Altes Wissen aus der Gartenbau-Geschichte pflegen

Bild: www.pixabay.com
Bild: www.pixabay.com

 

Heute ist es wieder Mode geworden, einen Bauerngarten anzulegen. Das ist erfreulich, denn ein solcher Garten liefert ganz ohne chemischen Keule eine gesunde Ernte. Alte, schon fast vergessene Pflanzensorten werden hier angebaut. 

Sie haben noch eine natürliche Widerstandskraft, bieten vielen Tieren einen Lebensraum und sind durch traditionelle Gestaltungselemente wie Wegkreuz, Buchshecke und Flecht- oder Staketenzaun eine Augenweide.

Unser Mittelalter-Garten soll darüber hinaus dazu dienen, das im Lauf der Gartenbau-Geschichte entstandene Wissen zu pflegen.

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