Das Oster-Ei: Ein starkes Symbol !

Kommt der Osterhase um 6 Uhr in den Hühnerstall und ruft: "Raus aus den Federn!"


Er wird es eilig haben, denn an Ostern werden viele Eier gebraucht. Es ist ein schöner alter Brauch, Ostereier zu färben oder zu dekorieren, sie zu verstecken, zu suchen oder natürlich auch zu essen. Doch werden die schönen alten Osterbräuche heutzutage meistens nur noch als Kinderspaß oder Dekorationsanlaß weitergeführt.

Ein Blick in die Kulturgeschichte zeigt jedoch, dass auch das Brauchtum in der Osterzeit einen ernsthaften Hintergrund hat

Das Ei ist ein Symbol für das Leben

In vielen Kulturen ist das Ei ein Symbol für das Leben, für Fruchtbarkeit und für die Erneuerung. Nach alten Mythen ist sogar die Welt aus dem Ei entstanden. Deshalb wurden bereits in vorchristlicher Zeit Eier als Fruchtbarkeitssymbole verschenkt. In Persien schenkte man sich gefärbte Eier zum Neujahrsfest und in China zur Geburt eines Sohnes. Selbst der Frühlingsgöttin Ostara wurden Eier als Opfergabe gebracht.

Eier galten im Mittelalter als "flüssiges Fleisch"

Gläubigen Christen ist der Fleischgenuß während der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern verboten. Weil im Mittelalter Eier als "flüssiges Fleisch" galten, durften auch sie nicht verzehrt werden. Damit die in der Zwischenzeit anfallenden Eier nicht schlecht wurden, mussten sie haltbar gemacht werden.

Denn die im Frühjahr erhöhte Legefreudigkeit der Hennen in Verbindung mit der gleichzeitigen vorösterlichen Fastenzeit führte schnell zu einem Eier-Überschuß. Deshalb wurden die Eier gekocht. Und damit man gekochte und ungekochte Eier unterscheiden konnte, gab man Pflanzenteile zum Färben der Eier mit in das Kochwasser.


So konnte man sie auch weitergeben, und die Bauern im Mittelalter nutzten den Eier-Überschuss gerne, um ihre Schulden in Form von Naturalien zu begleichen. Sie setzten am Gründonnerstag, dem Zahlungs- und Zinstermin, "Zinseier" als ein willkommenes Zahlungsmittel zum Ausgleich ihrer Steuerschuld gegenüber dem Grundherrn ein.

Eier als Geschenk drückten Gefühle aus

Als dann später die Naturalienabgaben für den "Zehnten" wegfielen, wurden Eier zu einem beliebten Geschenk, um Gefühle wie Frömmigkeit oder Liebe auszudrücken. Um die Bedeutung des Eies hervortreten zu lassen, wurd es gefärbt, bevorzugt in Rot. Denn Rot war die Farbe des Lebens, des ewigen Lichts in der Kirche und die Farbe des Blutes Christi. Rot war aber auch die Farbe des Osterfeuers, das die neu am Himmel erwachenden Sonne symbolisiert. Und rot war der  Mund der jungen Mädchen, in die sich die Burschen frisch verliebten.

Mit Sinnbildern verzierte Eier wurden zu Kunstobjekten

In späterer Zeit entwickelte sich rund um das Ei eine vielfältige Farbensymbolik. Und aus dem Brauch, die Eier mit Sinnbildern zu verzieren, wurde in manchen Regionen geradezu eine Kunst. Berühmt sind die prunkvollen Ostereier von Fabergé. Und in Deutschland gibt es sogar ein Ostereier-Museum, wie Sie in unserer Sammlung von Kurzgeschichten ("Mutterwitz") lesen können.

Bunte Eier haben auch heute noch ihren "Zauber"

Das Ei als Träger des Lebens und der Lebenserneuerung kann auch für moderne Menschen noch ein sinnvolles Symbol sein. Natürlich wird keiner von uns wie die frühen Vorfahren an die "mystischen Kräfte des Ursprungs" denken, wenn er ein Ei verzehrt.

Aber ausgeblasene bzw. hartgekochte und oft kunstvoll verzierte Eier, die zu Ostern als Dekoration verwendet, den Kindern für ein Suchspiel vesteckt oder auch als Nascherei im schmucken Nestchen oder einem schönen Korb dargeboten werden, haben ihren "Zauber" noch nicht völlig verloren.

Und es ließe sich sogar etwas von ihrer alten symbolischen Bedeutung in unsere zweckorientierte Zeit hinüber retten: Liebevoll verziert und persönlich gestaltet sind bunte Eier ein schönes Geschenk und ein Zeichen der Freundschaft.

Natürlich kann man dazu die Ostereier fix und fertig kaufen. Aber es macht viel mehr Spaß, sie selbst zu färben oder liebevoll zu verzieren.

Deshalb finden Sie bei uns unter der Rubrik Basteln  einige Vorschläge, wie Sie Eier mit natürlichen Materialien färben oder mit aufwendigen Techniken verzieren können.

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